Der Goldpreis sank im Mai auf sein Jahrestief. Investoren sollten sich davon nicht irritieren lassen. Die längerfristigen Aussichten für das Edelmetall bleiben aussichtsreich.

Am 11. April dieses Jahres erreichte Gold mit 1353,44 US-Dollar pro Feinunze sein 2018er Jahreshoch. Danach ging es bergab – aktuell, also bis Mitte Mai, auf knapp über 1290 US-Dollar. Als Auslöser dafür gelten steigende Zinsen in den USA. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen übersprang die Drei-Prozent-Marke. Das brachte den Preis für das Gold, das keinen Zinsertrag bringt, unter Druck. Zudem gewann auch der US-Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert. Steigt der Dollar, wird Gold für Investoren, die nicht in Dollar rechnen teurer. Das dämpft wiederum die Nachfrage.

Wachsende Staatsschulden in den USA

Die Angst geht um, dass der seit Anfang 2016 andauernde Goldpreisanstieg jetzt endet. Ein Blick auf weitere Hintergründe für den Zinsanstieg lässt jedoch vermuten, dass der Preisrückgang kurzfristiger Natur ist – Gold also längerfristig weiter an Glanz gewinnt. Die wachsende US-Wirtschaft sowie der Anstieg der Inflationserwartungen spielte bei dem Zinsanstieg eine Rolle. Ein ebenfalls wesentlicher Zinstreiber ist die US-Fiskalpolitik.

US-Präsident Donald Trump setzt auf Schulden, um die US-Wirtschaft weiter in Schwung zu bringen. Laut ihm werden Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben die Wirtschaft so stark ankurbeln, dass die zusätzlichen Steuereinnahmen die Steuerausfälle und zusätzlichen Staatsausgaben übersteigen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) äußert Zweifel. Er schätzt, dass die öffentlichen Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt der USA von aktuell rund 104 Prozent auf 117 Prozent bis Ende 2023 steigen werden.

Das Congressional Budget Office hat zudem darauf aufmerksam gemacht, dass die Generation der Babyboomer langsam das Pensionsalter erreicht. Die ausufernden Schulden dürften die Kreditwürdigkeit der USA belasten. Steigende Sozialausgaben dürften die Staatsschulden noch weiter explodieren lassen. Die Nachfolger von Trump werden erkennen, dass der Schuldenberg, der weiter kräftig wächst, wohl nur über Inflation abbaubar ist. Der US-Dollar verliert damit an Qualität. Das spricht für Gold als Gradmesser für die Qualität des Geldes.

Fünf-Jahres-Rückblick auf Gold

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In US-Dollar gerechnet verlor Gold von Mitte April bis Mitte Mai 2018 deutlich an Wert. In Euro gerechnet entwickelte sich Gold dagegen positiv. Grund: Italien will den EU-Stabilitätspakt aufkündigen. Die zunehmenden politischen Spannungen könnten dem Goldpreis in Euro gerechnet weiteren Auftrieb geben.

Wachsende Spannungen im Euroraum

Für Anleger, die in Euro rechnen, gibt es noch einen weiteren wichtigen Aspekt, der für Gold spricht. Der gemeinsame europäische Währungsraum bleibt politisch zerstritten. Die Peripherieländer wollen eine Aufweichung des Euro-Stabilitätspakts. Das jüngste Beispiel dafür lieferte Italien. Die 5-Sterne-Bewegung und rechte Lega einigten sich auf ein Regierungsprogramm, das ein Grundeinkommen von 780 Euro im Monat, Steuersenkungen, eine Ausweitung der Sozialausgaben und die Rücknahme von Einsparungen bei Renten vorsieht. Sie wollen damit die Wirtschaft ankurbeln.

Zudem will die Regierung zur Begleichung von Schulden des Staates, also für die Zahlung von Schulden der öffentlichen Verwaltung bei den Bürgern, kurzfristige Staatsanleihen an die Steuerzahler ausgeben. Laut Claudio Borghi, ein Wirtschaftsexperte der Lega, könnten die Empfänger mit diesen „Mini-BOTs“ Waren und Dienstleistungen kaufen. Das bedeutet, dass Italiens neue Regierung darüber nachdenkt, mit den „MINI-Bots“ den Ausgabenspielraum der öffentlichen Hand zu erhöhen und gleichzeitig eine nationale Parallelwährung zum Euro einzuführen.
Ein solcher Schritt hätte größere geldpolitische Verwerfungen zur Folge. Gemäß des Greshamschen Gesetzes, wonach das schlechte Geld das gute Geld verdrängt, würden die „MINI Bots“ als Tausch und Zahlungsmittel in Italien eingesetzt werden. Der höher geschätzte Euro würde dagegen als Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden. Ein Teil der gesparten Euro würde von Italien in die Kernländer fließen und dort die Geldmenge erhöhen. Am Ende könnten die „Mini-BOTs“ die Finanzstabilität im gesamten Euroraum gefährden.

Die Verschuldung der öffentlichen Hand in Italien beträgt laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich rund 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vom Volumen her belegt damit Italiens Regierung den Spitzenplatz in der Eurozone. Entsprechend mahnte die EU-Kommission, dass Italien die Haushalts- und Defizitvorgaben einhalten und die Verschuldung senken sollen. Ob die Mahnungen auf offene Ohren stoßen, ist offen. Allerdings sorgte die Entwicklung in Italien dafür, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verlor. Und das gab Gold in Euro gerechnet in diesem Jahr Auftrieb.