Die Zeiten werden unsicherer, die Investoren setzen auf Gold. Die zunehmende Nachfrage nach goldbasierten Anlageprodukten stimmt positiv für 2019.

Im alten Rom hieß es: Wenn Gold redet, schweigt die Welt: Die moderne Fassung des Spruchs lautet: Money talks, bullshit walks! Damit ist gemeint, dass viel geredet wird. Wichtiger ist jedoch, wohin das Geld fließt. In vielen historischen Redewendungen wurde das Wort Gold verwendet. Gold hatte schließlich im täglichen Leben eine große Bedeutung. Heute wird bei Zahlungsvorgängen und Geschäften nur noch von Geld gesprochen. Hat also Gold seinen Geldcharakter verloren?

Ein Blick auf die Funktionen, die Geld hat, hilft bei der Beantwortung dieser Frage weiter. Geld dient zum einen als Zahlungsmittel und zum andern als Wertaufbewahrungsmittel. Als Zahlungsmittel spielt Gold heute keine Rolle mehr. Das hat zum einen damit zu tun, dass Papiergeld leicht transportierbar ist. Zum andern spielt auch das Greshamsche Gesetz hier eine wichtige Rolle spielen. Dieses Gesetz besagt: Ist eine Geldsorte gegenüber einer anderen Geldsorte unterbewertet, wird die unterbewertete Geldsorte gehortet.

Das schlechtere Geld wird also als Zahlungsmittel verwendet, während das gute Geld aus dem Verkehr gezogen und gelagert wird. In Kurzform bedeutet dies, dass das schlechte Geld das gute Geld als Zahlungsmittel verdrängt. Ein Blick auf die Goldnachfrage zeigt aber, dass Gold in Form von Münzen und Barren oder auch als Schmuck weiter beliebt ist. Stark begehrt ist es in unsicheren Zeiten mit zunehmenden wirtschaftlichen Risiken, niedrigen Zinsen und wachsender Geldmenge. An Bedeutung als sicherer Hort verliert es etwas an Attraktivität, wenn die Notenbanken ihre Zinsen erhöhen und die Geldmenge verknappen – also für einen höheren Wert der Banknoten und des Buchgelds sorgen.

Globale Goldnachfrage

Gold Schuldenberge

Begehrtes Metall

Mehr als die Hälfte der jährlichen Nachfrage entfällt auf Schmuck. An zweiter Stelle kommen Münzen und Barren mit einem Anteil von rund 25 Prozent. Die Industrie benötigt dagegen nur wenig Gold. Die Nachfrage nach Anlageprodukten auf Gold schwankt dagegen enorm.

So war Gold in der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie in der Eurokrise, also in den Jahren von 2010 bis 2012, sehr beliebt. Ein aussagekräftiges Indiz dafür sind Mittelzuflüsse in goldunterlegte Anlageprodukte wie ETFs. Die wirtschaftliche Erholung sowie das Ende der Eurokrise führten ab 2013 zu Geldabflüssen aus den goldbasierten Anlageprodukten. Seit 2016 sind wieder Geldzuflüsse zu beobachten. Allerdings sorgte die moderate Zinserhöhungspolitik der Federal Reserve (Fed) in den drei Vorjahren für eine abnehmende Tendenz bei diesen Zuflüssen.

Laut dem World Gold Council wurden 2016 Gold-Anlageprodukte im Umfang von 547 Tonnen Gold gekauft. 2017 sank die Zahl auf 206 Tonnen, 2018 auf rund 80 Tonnen, was rund 3,3 Milliarden US-Dollar entspricht. Zwar ist der Anteil der Anlageprodukte an der Gesamtnachfrage gering. Allerdings sind die Nachfrageschwankungen hier enorm hoch. Und das führt wiederum dazu, dass die Nachfrage nach Anlageprodukten einen weit größeren Einfluss auf den Goldpreis hat als beispielsweise die stabile Nachfrage aus der Schmuckindustrie.

Die Geldzuflüsse in goldbasierte Anlageprodukte sorgten zu einem wesentlichen Teil dafür, dass der Goldpreis von Ende 2015 bis Ende 2018 um rund 21 Prozent stieg. Erfreulich ist zudem der Goldpreisanstieg im vierten Quartal 2018 um rund 7,5 Prozent. Parallel dazu zog in den Monaten von Oktober bis Dezember 2018 die Nachfrage nach Gold-ETFs deutlich an. Der Grund dafür ist, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten in den letzten Monaten global verdüsterten. Das Wachstum schwächt sich in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt ab. Die US-Notenbank signalisierte bereits eine langsamere Gangart bei den Zinserhöhungen. Gleichzeitig nehmen aufgrund der wirtschaftlichen Abschwächung die Risiken und Kursschwankungen an den Kapitalmärkten zu. Ein Profiteur dieser Entwicklung dürfte Gold sein. Eine Goldbeimischung sorgt zudem für eine höhere Risikodiversifikation im Depot.

Zu- und Abflüsse in ETFs und der Goldpreis

Gold Schuldenberge

Wichtiger Einflussfaktor

Der Anteil der Gold-ETFs an der gesamten Goldnachfrage ist gering. Doch die Nachfrageschwankungen sind enorm. Gold-ETFs beeinflussen damit den Goldpreis deutlich stärker als die Schmuckindustrie. So sorgten zunehmende Gold-ETF-Käufe im Schlussquartal 2018 für einen Preisanstieg bei Gold.