Die Zahl der Kursturbulenzen dürfte steigen, die Risikodiversifikation an Bedeutung gewinnen. Das Interesse der Investoren an Gold dürfte damit zunehmen.

Die Inflationszahl, die am 11. April veröffentlicht wurde, ließ die Investoren kalt. Das U.S. Labor Departement vermeldete für den März eine Inflationsrate von 2,4 Prozent. Der Anleihe- und Aktienmarkt reagierten darauf nicht. Gold stieg an dem Tag der Inflationsmeldung um 1,5 Prozent, gab aber diesen Gewinn ein Tag später wieder ab. Grund: Einmalig wirkende Basiseffekte in Teilkomponenten des Preisindex verursachten den Preissprung.

Heftiger fielen die Marktreaktionen auf die starken Arbeitsmarktdaten Anfang Februar dieses Jahres aus. Gemeldet wurden 200.000 Jobs und ein kräftigerer Lohnanstieg. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen zog fast auf drei Prozent an, der Dow Jones Industrial rutschte um 1600 Punkte ab und der CBOE Volatility Index erhöhte sich am 5. Februar um rund 20 Prozentpunkte auf 37,3 Prozent. Nur Gold bewegte sich kaum.

Inflationsindikator Arbeitsmarkt

Warum reagieren Aktien und Anleihen auf Inflationsdaten nur wenig, auf Arbeitsmarktdaten aber sehr heftig? Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass am Arbeitsmarkt der Trend für die künftige Inflation gesetzt wird. Steigen die Löhne dauerhaft an, ziehen nachfolgend auch die Preise mehr und mehr an. Und das würde wiederum die Federal Reserve unter Zugzwang bringen.

Bis jetzt signalisierte die US-Notenbank (Fed), dass sie sich bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein mit ihrer Normalisierung der Geldpolitik Zeit nehmen kann. Lohnsteigerungen mit anschließenden Preissteigerungen würden jedoch die Fed zu früherem Handeln zwingen. Sie müsste die Zinsen erhöhen und die aufgeblähte Basisgeldmenge reduzieren. Geld wird dann knapp, was Aktien- und Anleihekurse unter Druck bringt. Deswegen behalten die Investoren die Lohnentwicklung im Auge.

Warum reagierte Gold sowohl auf den kräftigen Anstieg der US-Stundenlöhne im Februar 2018 als auch auf den Inflationsanstieg im April 2018 kaum? In den Vorjahren gewann die wirtschaftliche Erholung an Breite. Die Investoren schöpften wieder Vertrauen, verkauften Gold, was den Goldpreis sinken ließ. Und auch die von den Notenbanken verursachte Geldflut ging in den Vorjahren am Gold vorbei. Und das gibt Gold jetzt eine große Stabilität.

Das Geld floss in Aktien und Immobilien. Der S&P 500, der während der Wirtschafts- und Finanzkrise rund die Hälfte seines Wertes verlor, stieg in den Vorjahren enorm an. Staatsanleihen von wirtschaftlich gesunden Ländern zählten ebenfalls zu den Krisengewinnern. Die Investoren setzten aus Angst vor einer deflationären Krise mit Bankenpleiten auf die Staatspapiere. Zusätzlich trieben die Notenbanken während und nach den Krisenjahren mit ihren Anleihekäufen die Anleihepreise auf Rekordhochs. Doch jetzt zeichnet sich immer deutlicher eine grundlegende Wende ab.

Gold auf gedrücktem Niveau

chart gold

Gold, Aktien und Anleihenrenditen seit Anfang 2017

In der deflationär wirkenden Finanz- und Wirtschaftskrise, also ab 2007 stieg Gold an. Im Herbst 2009 folgte die Eurokrise, die dem Gold weiteren Auftrieb gab. 2010 flaute die Krise wieder ab. In einem Umfeld niedriger Inflation und stabilen Wachstums verkauften die Investoren Gold und setzten auf Aktien und Immobilien. Mit der Rückkehr der Inflation könnte Gold wieder an Glanz gewinnen.

Von Deflation zur Inflation

Die Weltwirtschaft befindet sich seit zehn Jahre auf Wachstumskurs. In vielen Ländern ist die Arbeitslosenrate unter ein Niveau gefallen, ab dem die Arbeitnehmer höhere Lohnforderungen stellen können. Das Arbeitsangebot schrumpft, die Nachfrage nach Arbeit wächst. Mehr und mehr Babyboomer gehen in den Industrieländern in Pension. Und es fehlen junge Menschen, um die durch die Pensionierungen verursachten Lücken zu schließen.

Zwar sind die Inflationserwartungen noch gering, was die Lohnforderungen eindämmt. Doch Erwartungen ändern sich im Zeitablauf. Die Themen Lohn- und Inflationsanstieg dürften künftig zu einem wichtigen Thema bei den Anlageentscheidungen werden. Die Entwicklung, die Anfang Februar an den Märkten zu beobachten war, könnte ein Vorbote für die Zukunft sein. Steigende Löhne führen zu steigender Inflation und nominalen Zinsen. Steigende nominale Zinsen führen wiederum zu fallenden Anleihepreisen und fallenden Aktienkursen.

In einem solchen Umfeld gewinnt die Risikodiversifikation an Bedeutung. Gold zeigte Anfang Februar, also in einem Umfeld steigender Zinsen und fallender Aktienkurse, Stabilität. Dies wird bei den Marktexperten als Hinweis darauf gewertet, dass das gelbe Metall im Hinblick auf Risikodiversifikation künftig an Bedeutung gewinnt. Der Goldanteil in den Depots der professionellen Anleger dürfte steigen. Der Goldpreis sollte davon profitieren.