Asien gilt als besonders goldhungrige Region – vor allem China und Indien nehmen derzeit ungefähr die Hälfte des globalen Goldangebots auf.

Während China – gefolgt von Australien, Russland und den USA – weltweit zugleich am meisten Gold aus dem Boden fördert, muss Indien seinen Goldbedarf ausschließlich über Importe decken. In beiden Kulturkreisen genießt das gelbe Edelmetall hohes Ansehen und wird deshalb als Statussymbol sowie als Inflationsschutz stark nachgefragt. Der Löwenanteil wird in China und Indien vor allem von der Schmuckbranche absorbiert. In Indien spielt Gold in der Religion eine große Rolle, was sich unter anderem an den mit reichlich Gold ausgestatteten Tempeln des Hinduismus erkennen lässt. Aber auch die Bevölkerung besitzt eine große Affinität zu Gold.

Vor allem während der Hochzeitsaison von Oktober bis Dezember – wenn hohe hinduistische Feiertage begangen werden – ist das Edelmetall besonders stark gefragt. Ein anderer saisonaler Faktor stellt aber auch die von Juni bis September dauernde Regenzeit (Monsun) dar. Je nachdem, ob die wetterbedingten Ernten der Landbevölkerung üppig oder mager ausfallen, kann dies die Goldnachfrage stark beeinflussen. Grund: Weil die meisten Bauern über keine eigene Bankverbindung verfügen und die Geldentwertung (Inflation) auf dem Sub-Kontinent normalerweise relativ hoch ausfällt, nutzen die Inder Gold als Wertspeicher und Vermögensschutz.

Chinesen haben ebenfalls ein ausgeprägtes Faible für Goldschmuck. Der Löwenanteil von weit über der Hälfte der chinesischen Goldnachfrage gerät via Goldschmuck unter`s Milliardenvolk, wenngleich die Chinesen in den vergangenen Jahren bei Kapitalanlagegold einen zunehmenden Appetit verspürt haben. Die Angst vor Geldentwertung und der Mangel an attraktiven Investmentoptionen dürften dabei die treibende Kraft gewesen sein. In China steigt häufig im Vorfeld des chinesischen Neujahrsfests die Goldnachfrage überdurchschnittlich stark. Als wichtiger Handelsplatz für Gold hat sich in den vergangenen Jahren vor allem die Shanghai Gold Exchange etabliert. Weil die chinesische Währung noch nicht frei handelbar ist, gilt aber weiterhin London als weltweit wichtigster Handelsplatz für physisches Gold.

Barren und Münzen statt Goldschmuck

In den entwickelten Industrienationen „ticken“ Investoren ein bisschen anders. Sie bevorzugen das gelbe Edelmetall in Form von Barren und Münzen sowie in physisch hinterlegten Gold-ETFs. Lediglich die USA gehört unter den Schmuckkonsumenten weltweit zu den ganz Großen – nach China und Indien. In Deutschland wird Gold vor allem als Vermögensschutz und weniger als Statussymbol interpretiert, zumal bei Goldschmuck Mehrwertsteuer und Arbeitskosten die Funktion des Vermögensschutzes spürbar vermindern. Deutschen Anlegern wird nach den negativen Erfahrungen diverser Währungsreformen eine hohe Affinität zu Gold nachgesagt. Innerhalb Europas fungiert Deutschland dank seiner wirtschaftlichen Stärke zwar als Stabilitätsanker, aufgrund des bestehenden Haftungsrisikos gegenüber der Europäischen Union wird diese Marktgegebenheit von vielen Anlegern immer mehr in Frage gestellt. Weil Papiergeld – egal ob Dollar oder Euro – ein geringeres „Haltbarkeitsdatum“ unterstellt wird als Gold, steuern verunsicherte Anleger besonders gerne in den „sicheren Hafen Gold“.