Der Goldpreis ist auf ein Sechs-Jahres-Hoch gestiegen. Die Zinsentwicklung und die zunehmende politische und wirtschaftliche Unsicherheit geben dem Goldpreis Auftrieb.

Das Jahr 2019 begann positiv für Aktien und für Gold. In den letzten Monaten wandelte sich jedoch das Bild. Während Aktien korrigierten, gingen Gold und die sicheren Staatsanleihen auf Klettertour. Das ist ein Zeichen, dass Gold als sicherer Hafen von den Investoren wahrgenommen wird. Daraus abzuleiten, dass Gold steigt, wenn Aktien fallen, wäre jedoch verkehrt. Ein Blick zurück auf frühere Kursentwicklungen zeigt, dass es keine stetige negative oder auch positive Korrelation zwischen der Entwicklung des S&P 500 und des Goldpreises gibt.

Als Treiber für den Goldpreis gilt auch die Inflation. Das trifft sicherlich zu, wenn Papiergeld drastisch an Wert verliert. Doch derzeit ist kein Inflationsdruck erkennbar. Auch damit lässt sich also nicht erklären, warum der Goldpreis die Marke von 1500 US-Dollar ins Visier genommen hat. Negativ korreliert ist dagegen der Goldpreis mit der Rendite langlaufender US-Staatsanliehen. Der Grund: Gold wirft keine Zinsen ab. Der Zinsverzicht gilt damit als Kostenfaktor für die Goldhaltung. Ist der Zins niedrig, ist auch der Zinsverzicht gering. Fallende Zinsen sorgen dafür, dass Investoren verstärkt das mit Aktien wenig korrelierte Gold ihrem Depot beimischen und dadurch ihr Verlustrisiko minimieren.

Die Entwicklung der nominalen Renditen hilft also, die Goldpreisentwicklung zu erklären. Korreliert man statt der nominalen die inflationsbereinigten (realen) Renditen mit der Entwicklung des Goldpreises, wird der Zusammenhang noch größer. Die Korrelation zwischen fallenden Realrenditen und steigendem Goldpreist (und umgekehrt) ist seit 2010 sehr eng. Das zeigt: Der reale Zinsverzicht ist für Investoren ein wichtiges Kriterium, um Gold zu kaufen oder um Gold zu meiden. In den USA nähert sich die reale Rendite für zehnjährige Staatsanleihen der Marke von null Prozent an. Realen Opportunitätskosten der Goldhaltung – also reale Zinsverzichtskosten – gibt es damit nicht mehr.

In der Vergangenheit lässt sich zudem beobachten, dass der Goldpreis kräftig anzieht, wenn die reale Rendite niedrig ist und die Inflationserwartungen anziehen. Derzeit sind die Inflationserwartungen gering. Die Notenbankern bemühen sich allerdings um eine Erhöhung der Inflationserwartungen. Bisher führte die Kombination aus niedrigen Leitzinsen und einer Ausweitung der Geldbasis über Anleihekäufe (Quantitative Easing) nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Die Globalisierung, also die Verlagerung von Produktion nach Asien, sorgte für Druck auf die Löhne in den Industrieländern. Dieser inflationshemmende Effekt hält nicht ewig an. Zudem geht die politische Entwicklung in Richtung Protektionismus – also Abschottung der Märkte. Die könnte für eine Rückkehr der Inflation sorgen.

Quelle: Federal Reserve; Stand: 27.08.19