Gold ist wieder gefragt

Die kräftige Korrektur an den Aktienmärkten kam für viele Investoren überraschend. Eine weitere Überraschung war für Anleger, dass Gold in der Korrekturphase gefragt war.

Für Goldanleger hielt das Jahr 2018 bisher eher Enttäuschungen bereit. Im ersten Quartal 2018 hielt sich Goldpreis zwar noch auf hohem Niveau. Danach ging es nur bergab. Weder der Handelskonflikt zwischen den USA und China noch der Krisen in einigen Schwellenländern oder der Budgetstreit zwischen Italiens Regierung und der EU gaben dem Goldpreis Auftrieb geben. Erst die kräftig Oktober-Korrektur an den Börsen brachte den Goldpreis in Schwung.

Zum Vergleich: Der DAX und S&P 500 verloren vom 1. Bis 26. Oktober 9,2 und 9,1 Prozent an Wert. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen bewegten sich dagegen im Oktober nur gering. Die erwartete gegenläufige Entwicklung, also der Anstieg der Staatsanleihen bei einem Rückgang der Aktienkurse, blieb damit aus. Dafür gewann stieg die Feinunze Gold im Oktober um 3,8 Prozent auf 1233 US-Dollar. Das ist ein Indiz, dass sichere Staatsanleihen ihren Status als Hort für die Sicherheit eher verlieren, Gold dagegen seinen Status als sicherer Hafen zurückgewinnen könnte.

Blick auf den S&P 500, den T-Note Future und Gold

Gold Schuldenberge

Vergleich der Assetklassen

Seit Anfang 2016 legten US-Aktien deutlich zu, Gold legte leicht zu und US-Anleihen verloren. Gleichzeitig zeigt sich im Rückblick, dass Gold und Aktien über weite Strecken ein Eigenleben haben. In diesem Jahr 2018 entwickelten sich Gold und der S&P 500 sehr gegenläufig. Das spricht dafür, Gold dem Vermögensbestand beizumischen.

Diskutiert wird derzeit, warum es zu dem Kursrutsch kam und warum dieser an der Wall Street begann. Die wirtschaftlichen und politischen Risiken waren bereits vor der Kurskorrektur an den Märkten bekannt. Damit scheiden diese als Auslöser aus. Vermutet wird, dass die Kurse der US-Aktien zu hohe Gewinnwachstumserwartungen enthielten. Der Arbeitsmarkt in den USA ist leergefegt und die Löhne steigen. Der Lohnanstieg drückt wiederum auf das Gewinnwachstum der US-Unternehmen.

Gleichzeitig sorgen steigende US-Löhne für mehr Konsum und damit für zusätzliches Wachstum, allerdings auch für eine anziehende Inflation. Für die Federal Reserve bedeutet dieses wirtschaftliche Umfeld, dass sie ihre Leitzinsen weiter erhöhen muss. Damit befinden sich die US-Unternehmensgewinne im kommenden Jahr in einer Zange zwischen Lohnkosten- und Zinskostenanstieg. Für 2019 und 2020 erwarten die Analysten derzeit ein Gewinnwachstum von jeweils zehn Prozent. Vermutlich werden die Analysten diese Zahl in den kommenden Monaten nach unten revidieren müssen.

Gleichzeitig zeigt ein Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA und im Rest der Welt, dass die Ära des synchronen globalen Aufschwungs zu Ende geht. Der globale Einkaufsmanager-Index für die Industrie, also ein Frühindikator für die Weltwirtschaft, befindet sich auf Sinkflug. Von Januar 2018 bis September 2018 ging er bereits um 2,2 auf 52,2 Punkte zurück. Ein Niveau oberhalb von 50 Punkten signalisiert zwar weiter ein positives Weltwirtschaftswachstum, doch die Wachstumskräfte lassen offensichtlich außerhalb der USA nach.

Im Hinblick auf Wachstum und Zinspolitik driften die USA und der Rest der Welt immer weiter auseinander. Erste Opfer dieser Entwicklung sind die Schwellenländer, die in US-Dollar hoch verschuldet sind und aufgrund von Leistungsbilanzdefiziten auf weitere US-Dollarkredite angewiesen sind. Steigende US-Zinsen bedeuten für Länder wie Argentinien, die Türkei oder Südafrika eine steigende Zinslast. Kapitalabflüsse brachten zudem die Währungen unter Druck, was zu einem Anstieg der Auslandskredite in Heimatwährung gerechnet führte. Es drohten weitere Schwellenländerkrisen, die wiederum zu weltweiten Aktienkursrückschlagen führen.

Dies alles sind Anzeichen, dass 2019 eher ein schwieriges Jahr für Aktienanleger werden wird. Aber auch für Inhaber von Anleihen dürfte sich das kommende Jahr herausfordernd gestalten. Der US-Dollar ist die wichtigste Reserve- und Handelswährung, die Fed damit eine Art zinstechnischer Taktgeber für die Welt. Selbst die Eurozone und Japan, die über zweitrangige Reservewährungen verfügen, können sich davon nur bedingt abkoppeln.

Die ultralockere Geldpolitik – insbesondere der Aufkauf von Anleihen durch die Notenbanken – hat im letzten Jahrzehnt zu einer Preisblase an den Anleihenmärkten geführt. Die Zinswende in den USA und der Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus dem Anleihekaufprogramm dürfte dafür sorgen, dass aus der Blase an den Anleihemärkten langsam die Luft entweicht. Sichere Staatsanleihen sind damit nur bedingt empfehlenswert. Wer glaubt, durch eine Beimischung von Anleihen sein Depot gut gegen Aktienkursrisiken diversifizieren zu können, könnte 2019 enttäuscht werden.

Die Hochs, die Gold im letzten Jahrzehnt erreichte, liegen dagegen noch in weiter Ferne. Die Feinunze Gold notierte im September 2011 auf einem Hoch von 1921 US-Dollar und fiel dann bis Dezember 2015 auf 1046 US-Dollar. Derzeit notiert Gold mit 1229 US-Dollar nur rund 17 Prozent über seinem Tief, was für den langfristigen Kauf von Gold spricht. Ein Vergleich der Goldpreisentwicklung mit der Aktienmarktentwicklung zeigt, dass die beiden Assetklassen langfristig gering korreliert sind. Durch eine Beimischung von Gold können Investoren die Kursschwankungsrisiken, denen ihr Depot aus Aktien und Anleihen unterliegt, deutlich reduzieren.

100-Tage-Korrelation von Aktien und Anleihen zu Gold

Gold Schuldenberge

Geringe Korrelation

Sowohl gegenüber Aktien als auch gegenüber Anleihen weist Gold eine geringe Korrelation auf. Das belegt, dass Investoren, die Aktien und Anleihen im Bestand haben, durch den Kauf des gelben Metalls ihr Kursschwankungsrisiko, dem ihr Vermögen unterliegt, reduzieren können.

2018-11-20T15:04:04+00:00