Die Zinsen steigen und Gold zeigt Stärke. Das ist ein Hinweis, dass sich das fundamentale Umfeld für Gold deutlich verbessert hat. Ein Blick auf die Gründe.

Glänzende Aussichten für die Weltwirtschaft! Sie befindet sich auf solidem Wachstumskurs. In den USA herrscht bereits Vollbeschäftigung und die Inflationserwartungen nehmen zu. Entsprechend erhöhte die Federal Reserve bereits ihre Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank sieht keine Deflationsgefahr mehr und reduziert ihre Anleihekäufe (QE). Die Folge: Steigende Anleiherenditen. Für Goldanleger stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung dem Gold Glanz gibt oder nimmt.

Ein Blick auf die ersten 11 Börsenwochen 2018 zeigt, dass sich Gold behaupten konnte – und dies trotz eines deutlichen Anstiegs der Rendite bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen. Selbst vom kräftigen Einbruch des S&P 500, der von diesem Renditeanstieg Anfang Februar ausgelöst wurde, zeigte sich Gold wenig beeindruckt. Institutionelle Investoren werteten dies als Signal, das eine Beimischung des gelben Metalls zusätzliche Stabilität in das Portfolio bringen dürfte. Das ist positiv für Gold.

Steigende Nachfrage

Es bleibt dennoch die Sorge, dass der Zinsanstieg zu einem Bremsfaktor für die Goldnachfrage wird und damit den Goldpreis belastet. Doch ist das wirklich so? In einer Untersuchung von 1992 bis 2016 zeigte das World Gold Council, dass die Zusammenhänge komplexer sind. Im historischen Rückblick zeigte sich, dass stabiles Weltwirtschaftswachstum den Menschen mehr Einkommen und Wohlstand beschert. Und dies hatte wiederum einen signifikant positiven Effekt auf die Schmucknachfrage.

Zudem sorgt hohes Wachstum in den Schwellenländern für eine steigende Nachfrage nach Barren und Goldmünzen. Die Wachstumsaussichten der Wachstumsführer China und Indien sind positiv. Das Reich der Mitte kommt beim Wandel vom investitions- zum konsumgetriebenen Wachstumsmodell voran. Indiens Regierung baut ein effizientes Steuersystem auf und setzt auf den Ausbau von Infrastruktur. Für die Bevölkerung in Indien, die sehr viel Gold nachfragt, dürfte dies Wohlstandseffekte mit sich bringen, was für eine steigende Goldnachfrage spricht.

Verschuldung der Wirtschaftssubjekte in den USA

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Gewaltiger Schuldenberg

In den USA stieg der Schuldenberg in zwei Schüben – das erste Mal von 1981 bis 1985 und das zweite Mal von 2001 bis 2010 – deutlich an. Wirtschaftliche Erholungen wurden nicht dazu genutzt, den Schuldenberg zu reduzieren. Die hohen Schulden begrenzen der Spielraum der Federal Reserve.

Bremsfaktor Zins?

Es bleibt der steigende Zins, der bremsen könnte. Ein Blick zurück zeigt, dass nicht die nominalen, sondern die realen Renditen ausschlaggebend für die Entwicklung des Goldpreises sind. Ab Mitte 2015 stieg die US-Inflationsrate deutlich schneller als die nominale Rendite der zehnjährigen US-Treasuries an. Damit hat sich die reale Rendite bei den US-Staatsanleihen in den Vorjahren sogar verringert. Das signalisiert zunächst einmal Entwarnung.

Doch wie sieht es längerfristig aus? Die Notenbanken rund um die Welt wissen, dass trotz der Überwindung der Finanzkrise ein Grundproblem weiter besteht: Die hohen Schuldenberge. In den USA liegt die Schuldenquote des Staates, der privaten Haushalte und der Unternehmen laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bei 250 Prozent. Die Eurozone kommt auf eine Schuldenquote von 263 Prozent, wobei die Peripherie-Länder weit höher verschuldet sind als die Kernländer. Japans Schuldenquote ist mit 373 Prozent sehr hoch. Und die Schwellenländer erhöhten in den letzten zehn Jahren ihre Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt deutlich.

Die Notenbanken wissen, dass kräftigere Zinssteigerungen zu einer Erhöhung der Zahllast für die enorm hohen Schulden führen würden. Damit würde gleichzeitig die Gefahr einer erneuten Finanzkrise deutlich zunehmen. Eine Wiederholung der Jahre 2008 und 2009 gilt es zu vermeiden. Die Zentralbanken dürften entsprechend die geldpolitischen Zügel nur sehr langsam und mit Bedacht anziehen. Mit hohen Realzinsen, die den Goldpreis unter Druck bringen könnten, ist mittel- bis längerfristig nicht zu rechnen.