Jahrelang haben die wichtigsten Notenbanken der Welt über den Kauf von Anleihen die Geldbasis aufgebläht. Fraglich ist, ob sie das Geld wieder einsammeln.

2017 wird als Jahr der Überraschungen in Erinnerung bleiben. Die Volkswirtschaften in Japan und in der Eurozone wuchsen schneller als erwartet. Die USA, die den Aufschwung seit der Finanzkrise anführt, blieben wie erwartet auf moderatem Wachstumskurs. Das überraschend hohe Wachstum in Japan und in der Eurozone führte aber zu einer Verringerung der Wachstumsdifferenz. Und dies hatte wiederum ungeahnte Folgen für den US-Dollar, der sich gegenüber Yen und Euro abschwächte.

Ein Blick auf die Konsensschätzungen zeigt zudem, dass auch die Entwicklung an den Anleihemärkten überraschte. Die Auguren gingen davon aus, dass die Anleiherenditen in den USA kräftiger zulegen. Schließlich können wir dort auf fast neun Jahre Aufschwung zurückblicken. Die Arbeitslosigkeit hat sich in den USA deutlich abgebaut, was eigentlich für etwas mehr Lohndruck sorgen müsste. Der Zinsanstieg blieb jedoch aus.

Grund dafür: Sowohl bei den Ökonomen als auch innerhalb der Federal Reserve herrscht Unsicherheit darüber, ob die alte Gesetzmäßigkeit noch gilt, dass Vollbeschäftigung zu steigenden Löhnen und damit zu Inflation führt. Auslöser der Diskussion sind die geringen Inflationserwartungen. Ob wirklich die alte Regel außer Kraft gesetzt ist, dass bei Vollbeschäftigung kein Lohn- und Preisdruck entsteht, ist zumindest längerfristig anzuzweifeln.

Auswirkungen auf Dollar und Gold

Die Kombination aus abnehmender Wachstumsdifferenz der USA zu anderen Industrieländern und ausbleibendem US-Zinsanstieg hatte, wie bereits erwähnt, Auswirkungen auf den Dollar. Viele Finanzhäuser, die Ende 2016 noch prognostizierten, dass sich der Dollar kräftig aufwertet und sogar die Parität zum Euro schafft, mussten Mitte des Jahres kräftige Korrekturen vornehmen. Aus der Dollarstärke wurde eine Dollarschwäche.

Gold, das als Gradmesser für die Qualität von Papiergeld eine negative Korrelation zum US-Dollar aufweist, profitierte davon. Die sprunghafte Politik der neuen US-Regierung unter Führung von Donald Trump sowie die Zerstrittenheit der republikanischen Partei sorgten zusätzlich dafür, dass Gold als sicherer Hafen in diesem Jahr Auftrieb erhielt. Von Ende 2016 bis Mitte Oktober 2017 stieg der Goldpreis um fast 13 Prozent an. Die politischen Spannungen dürften bleiben – und dies nicht nur in den USA.

In der Eurozone gewinnen die Nationalisten an Bedeutung. Überlagert wird diese politische Entwicklung derzeit von den anziehenden Wachstumsraten in den Kern- und Peripherieländern. Die Unzufriedenheit ist allerdings in den südlichen Regionen hoch. Die starke deutsche Wirtschaft sorgte für Stabilität des Euro gegenüber anderen Währungen. Den schwächeren Volkswirtschaften in der Eurozone blieb während der Finanz- und Euro-Schuldenkrise das Mittel der Abwertung verwehrt. Die Arbeitslosigkeit stieg dadurch enorm an und baut sich nur sehr langsam in diesen Ländern ab. Die politische Unsicherheit um den Euro spricht ebenfalls für Gold.

gold news chart

Niedrige Realrenditen

Die Realrendite für zehnjährige US-Anleihen liegt derzeit bei null Prozent. Niedrige oder negative Realrenditen gaben bereits in der Vergangenheit Gold Rückenwind. Dies ist ein Argument für Gold.

Blick auf 2018

Längerfristig bleibt Gold damit eine Basisanlage für jeden Anleger. Doch auch mittelfristig, also für das Jahr 2018, könnte Gold lohnen. In den USA dürften vermutlich noch zwei bis drei Zinsschritte der Notenbank bis Ende 2018 anstehen. Doch diese dürften moderat ausfallen. Hohe Schulden führen bei steigenden Zinsen zu einem enormen Anstieg der Zinslast. Die US-Notenbank weiß, dass dies den Aufschwung gefährden könnte.

Dies spricht dafür, dass die Fed selbst im Falle eines Inflationsanstiegs vorsichtig agieren dürfte. Die inflationsbereinigten Zinsen blieben damit wohl dauerhaft gering. Gold dürfte davon profitieren. Es ist also gut möglich, dass das gelbe Metall im kommenden Jahr Kurs auf die Marke von 1400 US-Dollar pro Unze nimmt.