Mit der Kursrallye der Bitcoin wuchs bisher das Interesse der Anleger an Kryptowährungen. Hat Bitcoin das Potenzial, zum Gradmesser für die Qualität des Geldes zu werden.

Wertbeständig, teilbar, transportierbar, leicht übertragbar und fälschungssicher sollte Geld sein. Zudem sollte es auch als Tauschmittel anerkannt sein. Bitcoin hat in den letzten Jahren einen Geldstatus bekommen. Und das sicherlich nicht ohne Grund. Die erzeugbare Menge an Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt, was für Wertbeständigkeit sorgen soll. Die Währung ist teilbar und dank der Verbreitung von Handys und der Bezahl-Apps leicht transportierbar und übertragbar.

Mit der Zunahme des Interhandels wuchs in der Vergangenheit auch die Zahl der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren. Der Geldcharakter des Bitcoins ist gestiegen. Entsprechend wird diskutiert, ob der Bitcoin die Rückkehr zu einer Währung ist, die – genau wie im 19. Jahrhundert das goldgedeckte Geld – unabhängig und nicht manipulierbar ist. Eine gewisse Skepsis ist angebracht. Zwar sorgt ein zugrundeliegender Algorithmus dafür, dass mit der Annäherung an der Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin sich die Geldschaffung verlangsamt und die Kosten erhöht. Das Angebot an Kryptogeld wächst dennoch.

Der Grund dafür ist, dass neben dem Bitcoin immer neue Kryptowährungen wie Ethereum, Bitcoin Cash und Ripple entstehen. Sicherlich ist der Bitcoin mit einem Anteil von rund 50 Prozent das Schwergewicht innerhalb der Kryptowährungen. Mit ihm im Alltag einzukaufen, ist noch nicht möglich. Er wird aber bereits in zahlreichen Geschäften akzeptiert. Ob sich das Schwergewicht Bitcoin als wirkliche Währung etablieren kann, die von allen Geschäften akzeptiert wird, ist unsicher.

Dagegen spricht, dass der Wert der Bitcoin weit schneller wächst als die Zahl der Transaktionen und Nutzer. So hat sich in US-Dollar gerechnet der Gesamtwert an Bitcoins von Anfang Januar bis Ende Dezember 2017 um rund 1300 Prozent erhöht. Haupttreiber war der Anstieg des Bitcoin-Preises gegenüber dem US-Dollar um 1242 Prozent. Die Zahl der durchschnittlichen täglichen Transaktionen stagnierte dagegen eher 2017. Die Zahl der Nutzer erhöhte sich im Jahresdurchschnitt von 3,5 Millionen im Jahr 2016 auf nur 4,3 Millionen.

Die Kombination aus enormen Anstieg beim Gesamtwert der Bitcoins und der weit geringeren Nutzerzunahme sind klare Indizien, dass der Bitcoin als zinsloses Wertaufbewahrungsmittel und nicht als Transaktionsmittel an Bedeutung gewonnen hat. Bitcoin werden wohl, genau wie Gold, als Mittel zur Vermögensanlage gesehen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob Gold oder Kryptowährungen wie Bitcoin mehr Wertstabilität versprechen.

Für Gold spricht, dass es zahlreiche Bewährungsproben bereits bestanden hat. Die Bindung des Geldes an das Gold wurde aufgehoben und in den 30er Jahren wurde sogar der Besitz von Gold in den USA verboten – und dennoch behielt Gold in den Jahrzehnten seinen Glanz als Anlagemedium. Selbst die Notenbanken, die den Kampf gegen den Geldcharakter des Goldes führten, möchten darauf nicht verzichten und lagern die Goldbarren in ihren Tresoren.

Im Gegensatz dazu haben Kryptowährungen erst eine sehr kurze Geschichte hinter sich. Rund 1500 Kryptowährungen gibt es, deren Gesamtwert derzeit auf rund 700 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Anleger stehen damit vor der Frage, ob und welchen Kryptowährungen eine Zukunft haben und welche verschwinden könnten. Der jüngste starke Kursrutsch zeigte, dass die Investoren ihre Anlagepositionen schnell verkaufen, wenn das Risiko von Verlusten steigt. Zudem dürfte die hohe Volatilität auch den Glauben an die Geldfunktion des Bitcoins geschmälert haben.

chart gold

Real versus digital

Bitcoin war der Highflyer das Jahres 2017. Da der Bitcoin-Markt im Vergleich zu anderen Vermögensklassen wie Aktien, Anleihen oder auch Gold klein ist, sorgten bereits geringere Geldzuflüsse für den Höhenflug. Gleichzeitig lässt dies den Bitcoin auch kräftig schwanken. Die Kryptowährung ist daher nur für Anleger mit starken Nerven geeignet. Konservative Anleger sollten daher eher Geld bevorzugen.

Die Zulassung von Terminkontrakten auf Bitcoins zeigt, dass die Kryptowährung von Banken und Börsen als Objekt gesehen wird, das an Bedeutung gewonnen hat. Investoren können mit diesen Finanzinstrumenten auf Kursschwankungen setzen und diese dank eingebauter Kredite hebeln. Zentralbanken und der staatlichen Behörden dürften diese Entwicklung aufmerksam verfolgen. Zum einen wollen sie das Monopol der Geldschöpfung und der Kontrolle über die Zahlungsströme und Zahlungssysteme wahren. Zum andern dürfte mit der Einführung der Bitcoin-Terminkontrakte auch das Thema der Finanzmarktstabilität stärker in den Vordergrund rücken.

Regulierungen und mögliche Verbote sind bereits im Gespräch. Kommt es dazu, wird sich zeigen, ob die Kryptowährungen ihren Glanz als Geld beziehungsweise als Wertanlage behalten. Doch selbst wenn dies der Fall ist, bleibt es für Anleger schwer, zu erkennen, ob Bitcoin oder eine technisch ausgereiftere Kryptowährung die Zukunft gehört. Wer auf die falsche Kryptowährung setzt, muss mit hohen Verlusten rechnen. Wer auf Gold setzt, setzt auf einen realen Wert. Die Notenbanken haben ihren Kampf gegen Gold als Gradmesser für die Qualität des Geldes geführt und verloren. Gold hat den Beweis für seine Wertbeständigkeit erbracht.